Sonntag, 7. Oktober 2007

Der erste Fernsehauftritt und ein Metro-Trip mit AFS

Ich kann es kaum glauben: Ich bin jetzt schon genau einen Monat hier! Langsam zieht Routine ein. In der Schule habe ich mittlerweile richtig gute Freunde gefunden und ich versuche auch, dem Unterricht einigermassen zu folgen. In Englisch natuerlich sowieso (da hab ich das erste Lob geerntet), wenn es etwas abzuschreiben gibt, pinsel ich fleissig mit und in Mathe habe ich schonmal die anderen in Staunen versetzt. In den Stunden, in denen ich nicht viel verstehe, weil der Unterricht nur ein einziger langatmiger Vortrag ist, suche ich mir irgendwelche Woerter aus meinem Woerterbuch heraus und versuche, sie mir einzupraegen. Leider funktioniert nach anfaenglichen Startschwierigkeiten jetzt doch die Klimaanlage im Klassenraum und so ist es manchmal ziemlich kalt. (Wo ich gerade dabei bin, mal eine Temperaturansage: meinThermometer im Zimmer zeigt 27º an. Draussen scheint die Sonne und ich habe gerade im Planschbasin gebadet.) Aber hier passiert natuerlich mehr, als nur der Alltagstrott: Am Freitag war mein erster Auftritt im internationalen Fernsehen! Der von Chavez (unter grossen Protesten) schon fast geschlossene Sender RCTV hat eine Art Talkshow ueber Austauschprogramme aufgezeichnet - und da waren wir AFSer natuerlich dabei. Das war erstens sehr interessant, wie so eine Show funktioniert, und zweitens auch recht lustig. Nachdem wir uns schon alle eingesessen hatten, war erstmal Pullerpause angesagt, nach dem zweiten Einsitzen gabs ein Kaeffchen und dann gings irgendwann los. Wir Tauschis hatten ausser unserem Namen und Herkunft gar nichts weiter zu sagen (obwohl ich mir schon ein paar Worte zurechtgelegt hatte) und so mussten wir nur klatschen und immer schoen laecheln.

Am Samstag stand schon die naechste Aktivitaet mit AFS auf dem Plan: Wir haben uns gleich frueh getroffen, um eine Stadttour zu unternehmen - teils zu Fuss, teils per Metro - mit dem Ziel, dass wir lernen, selbststaendig mit der Metro in Caracas mobil zu sein. Das war aeusserst anstrengend, denn die Sonne bruetet und man muss immer sehr aufmerksam sein in der Stadt. Zum Schluss haben wir dann sogar noch eine ausgiebige Fuehrung im Theater mitgemacht. Die konnte aber keiner von uns mehr so richtig geniessen... Und nun schonmal eine Vorschau fuer naechste Woche: Ich gehe zum Black Eyed Peas - Konzert in Caracas!!!

Samstag, 29. September 2007

Mein Schulanfang

Nachdem ich jetzt zwei Wochen lang die Ferien hier genossen habe, kehrt nun so langsam der Alltag ein. Die erste Schulwoche ist schon vorbei und da moechte ich euch natuerlich mal ein bisschen den Schulalltag in Caracas beschreiben: In meiner Uniform und inmitten einem Pulk von Leuten, die ich weder gekannt, geschweigedenn verstanden habe, war ich am ersten Tag wirklich aufgeregt wie ein Schulanfaenger... Aber die Leute aus der Klasse sind alle sehr offen und nett, sodass es nicht schwer ist, ins Gespraech zu kommen und Freunde zu finden. Mittlerweile fuehle ich mich eigentlich schon gar nicht mehr wirklich fremd hier. Aber nun zum Ablauf: Um halb sechs klingelt mein Wecker (mit dem Verkehr hier muss man immer etwas mehr Zeit einplanen). Um 7 faengt die Schule an. Wir haben immer eineinhalb Stunden Unterricht, dazwischen nur kurze Pausen, sodass wir mit vier solchen Doppelstunden pro Tag um dreiviertel zwei nach Hause gehen koennen. Da ich die Richtung Humanidades gewaehlt habe, habe ich Literatur, Linguistik, Englisch, Franzoesisch, Soziologie, Philosophie, Wirtschaftsgeografie, Premilitar(!), Mathematik, Statistik, Sport (Volleyball) und Kunstgeschichte. Der Unterricht laeuft etwas anders als in Deutschland, d.h. viel Frontaluntericht. Sonst ist es wie immer: bei einigen Lehrern herrscht Ruhe und Disziplin und bei anderen das reine Chaos. Im Allgemeinen war es in Hoy geordneter. Dafuer gibt's hier ne Schuluniform, die ist aber, bis auf die schrecklich attraktiven Sporthosen, ganz in Ordnung. Am Freitag hatte Nam Geburtstag. Da hat die Klasse einen Geburtstagskuchen besorgt und dann haben wir eine huebsche kleine Fete gemacht. Ein kleiner Haufen von uns ist dann nach der Schule noch beim Italiener eingeritten, wo die Feierei weiterging. So sind die Leute eben hier, es wird keine Party-Gelegenheit ausgelassen. Letzten Sonntag habe ich etwas fuer meine kulturelle Bildung getan und bin mit ins Theater zur "Sinfonica de la Juventud Venezolana Simon Bolivar" (also dem Landesjugendsinfonieorchester) gefahren. Das war sehr schoen, die Begeisterung sowohl unter den Musikern als auch im Publikum war klasse, Standing Ovations schon nach der Ouverture.
Und nun noch ein paar Merkwuerdigkeiten: 1. Es ist hier nichts Aussergewoehnliches, ein zwei Stunden im Verkehr festzustecken, wenn man ins Shoppingcenter fahren will. 2. Fuer umgerechnet 1,50 Euro kann man einmal komplett volltanken. 3. Bestimmte Lebensmittel, wie z.B. zur zeit Milch, sind manchmal knapp und findet man nur mit Glueck im Supermarkt (und dann reglementiert). 4. "Wer wird Millionaer?" gibt's auch auf venezolanisch. 5. Auch in Venezuela gibt's Punks, Rocker,...